Bücher
Michael Titze und Christof T. Eschenröder
Therapeutischer Humor
Grundlagen und Anwendungen
Lachen ist gesund, weiss der Volksmund. Auch die Wissenschaft hat sich in den letzten 20 Jahren verstärkt mit der »Heilkraft des Humors« beschäftigt. Wie das Phänomen Humor wissenschaftlich erklärt werden kann und warum Lachen eine heilende Wirkung har, darüber geben die Autoren, erfahrene Psychotherapeuten, Auskunft. Präzise fassen sie die jüngsten Erkenntnisse über therapeutischen Humor aus Theorie und Praxis zusammen und erläutern seine Anwendungsgebiete.

Auszüge aus dem Inhalt:
Vorwort
1. Einleitung
2. Die Physiologie von Lachen und Lächeln
3. Die Enwicklungspsychologie des Humors
4. Theorien des Humor
5. Humor in verschiedenen therapeutischen Ansätzen
6. Humor in der Medizin (Gerhard Kittel)
7. Humor in der Krankenpflege
8. Humor in der Behandlung von alten Menschen
9. Humor in der Heilpädagogik
10. Die Verwendung von Humor in der pädiatrischen Zahnbehandlung
11. Anregungen zur Förderung humorvoller Einstellungen und Verhaltensweisen

Buchbesprechung »Therapeutischer Humor«:
Quelle: www.dradio.de/buechermarkt
Fischer Taschenbuch Verlag
Geist und Psyche
Nr. 12650
Frankfurt am Main, 1998
6. Auflage, 2011

208 Seiten, Broschur
ISBN 3-596-12650-9

EUR 9.90
CHF 14.80

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Einleitung

Bevor wir uns in diesem Buch mit den Möglichkeiten des Therapeutischen Humors befassen, wollen wir zunächst einen Überblick über die Phänomene Humor, Komik und Witz sowie die dadurch ausgelösten sichtbaren Reaktionen (Lächeln, Lachen) und Gefühle (Heiterkeit, Belustigung) vorlegen. Leider gibt es keinen allgemein akzeptierten Oberbegriff für diesen Bereich des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Wir benutzen daher das Wort »Humor« als Oberbegriff, um das Gesamtgebiet des Komischen oder Lustigen zu bezeichnen. Dies entspricht auch dem Gebrauch des Wortes »humor« im englischsprachigen Raum. Andererseits wird der Begriff »Humor« oft in einem engeren Sinne gebraucht. Der Schriftsteller Otto Julius Bierbaum definierte kurz und präzise: »Humor ist, wenn man trotzdem lacht.« In diesem Sinne unterscheidet auch Freud (1928/1982b S. 278) den Humor von der Komik und vom Witz:

»Der Humor hat nicht nur etwas Befreiendes wie der Witz und die Komik, sondern auch etwas Grossartiges und Erhebendes, welche Züge an den beiden anderen Arten des Lustgewinns aus intellektueller Tätigkeit nicht gefunden werden. Das Grossartige liegt offenbar im Triumph des Narzissmus, in der siegreich behaupteten Unverletzlichkeit des Ichs. Das Ich verweigert es, sich durch die Veranlassungen aus der Realität zu kränken, zum Leiden nötigen zu lassen, es beharrt dabei, dass ihm die Traumen der Aussenwelt nicht nahe gehen können, ja es zeigt, dass sie ihm nur Anlässe zu Lustgewinn sind. Dieser letzte Zug ist für den Humor durchaus wesentlich.«

Sicherlich ist es problematisch, das Wort »Humor« einmal als Oberbegriff für den Gesamtbereich komischer Phänomene und ein anderes Mal als Bezeichnung für ein besonderes Phänomen aus diesem Bereich, die heiter-gelassene Einstellung im Angesicht widriger Umstände zu verwenden. Wir hoffen aber, dass durch den Kontext jeweils deutlich wird, welche Bedeutungsebene wir meinen.

Auch für die emotionalen und körperlichen Reaktionen (Belustigung, Lächeln, Lachen), die durch Witze, Komik oder Humor ausgelöst werden (vgl. 2.), gibt es keinen allgemein anerkannten Oberbegriff. McGhee (1971) spricht in diesem Zusammenhang von der Humorreaktion (humor response). Ruch (1993, S. 283) bevorzugt den Ausdruck Erheiterung für die aktuelle emotionale Reaktion, die mit heiterem Erleben, Lächeln oder Lachen verbunden ist; als heitere Stimmung oder Heiterkeit bezeichnet er eine längerdauernde Veränderung der Befindlichkeit.

Wenn dies kein Buch wäre, sondern ein Video, würden wir Ihnen zur Einstimmung auf das Thema einige Szenen zeigen, um das Gebiet des Humors im weiteren Sinne zu veranschaulichen:

Ein Säugling lächelt seine Mutter an und sie lächelt zurück. Die Mutter versteckt kurz ihr Gesicht und blickt das Kind dann wieder an, das daraufhin fröhlich lacht.

Ein Lehrer macht eine ironische Bemerkung über einen Schüler, der eine falsche Antwort gegeben hat und die Klasse lacht über ihn. Der Schüler setzt sich beschämt wieder hin.

Eine Frau sitzt auf einer Parkbank und liest in einem Buch; sie schmunzelt und findet die Lektüre offenbar vergnüglich.

Ein Bundestagsabgeordneter kritisiert die Vorstellungen der Opposition und stellt sie mit pointierten Bemerkungen als lächerlich dar. Während dies bei seinen Parteifreunden Lachen auslöst, scheinen die Abgeordneten der Opposition darüber nicht sehr amüsiert zu sein.

In einem Theater lacht das Publikum über die komischen Situationen und die Pointen einer Boulevardkomödie.

Christof Eschenröder und Michael Titze erzählen sich nach einem Kneipenbesuch auf dem Rückweg zu ihrem Hotel gegenseitig Witze. (Nicht jugendfreie Pointen können nachträglich durch das hereinmontierte Geräusch eines vorüberfahrenden Wagens überdeckt werden.)

Nach einem Vortrag über hilfreiche therapeutische Effekte von Tieren für alte Menschen klatschen die Zuhörer. Ein kleiner Hund mit grossen Ohren, der auf dem Schoss einer Zuhörerin sitzt, fängt daraufhin an, heftig zu bellen, als wolle er auch in den Beifall einstimmen, worüber sich die Zuhörer sehr amüsieren.

Diese Szenen sollen verschiedene Varianten des Humors zeigen:

Humorreaktionen findet man bei Menschen in den verschiedensten Altersstufen (eine Szene in einem Altenheim oder bei einem Seniorennachmittag fehlt noch).

Die Intensität von Humorreaktionen hängt deutlich von der aktuellen sozialen Situation ab. Lautes Lachen wirkt ansteckend und löst wiederum Lachen aus. Wenn sich Menschen alleine über etwas amüsieren, lächeln sie meist oder lachen weniger stark.

Es gibt sozial verbindende Farmen des Humors, die von allen Beteiligten als positiv erlebt werden, und Formen des Humors, durch die ein Einzelner oder eine Gruppe beschämt und abgewertet werden.

In bestimmten Situationen wird bewusst und absichtlich versucht, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Manche Menschen verdienen damit sogar ihren Lebensunterhalt (z. B. Kabarettisten, Clowns, Komiker, Entertainer, Schriftsteller, Cartoonisten). Manchmal ergeben sich komische Situationen aber auch spontan und unbeabsichtigt.

Mit dem Thema Humor im weiteren Sinne beschäftigten sich seit der Antike Philosophen wie Platon, Aristoteles, Thomas Hobbes, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Henri Bergson und Helmuth Plessner (vgl. Keith-Spiegel 1972; Titze 1988). Humor ist ein wichtiges Thema für Sprach- und Literaturwissenschaftler (vgl. z.B. Kamper & Wolf 1986; Preisendanz 1974). Auch in literarischen Werken wie den Romanen »Der Steppenwolf« von Hermann Hesse (1927/1961) und »Der Name der Rose« von Umberto Eco (1982) wird die Bedeutung von Humor und Lachen diskutiert. Biologen, Mediziner und Psychologen beschäftigen sich seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts mit diesem Themenbereich.

Wichtige Überblicksarbeiten über den Stand der psychologischen und physiologischen Humorforschung stammen von Goldstein & McGhee (1972), Chapman & Foot (1976) und McGhee & Goldstein (1983).

Bernhardt (1985, S. 23-41) vertritt in seinem Buch über »Humor in der Psychotherapie« die These, nur die geisteswissenschaftliche Vorgehensweise sei für die Erforschung des Humors sinnvoll. Im Gegensatz dazu meinen wir, dass sowohl die Geisteswissenschaft als auch die empirische Psychologie und die Medizin wichtige Beiträge zur Erforschung des Humors leisten können. Das Gebiet des Humors hat einerseits mit den höchsten geistigen Fähigkeiten und den subtilsten ästhetischen Empfindungen des Menschen zu tun, anderereits aber auch mit 'niederen' sexuellen und aggressiven Bedürfnissen und elementaren genetisch vorprogrammierten körperlichen Reaktionsmustern. Geisteswissenschaftliche Untersuchungen können die Rolle des Humors in der Kulturgeschichte der Menschheit, z.B. in der Literatur oder in volkstümlichen Bräuchen herausarbeiten; die physiologischen Begleiterscheinungen und Auswirkungen von Lächeln, Lachen und Heiterkeit können dagegen nur mit naturwissenschaftlichen Methoden erforscht werden.

Zum Abschluss dieser einleitenden Bemerkungen möchten wir einen kurzen Überblick über den Inhalt dieses Buches geben. Im zweiten Kapitel geben wir einen Überblick über die körperlichen Vorgänge, die mit Humorreaktionen verbunden sind. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Entwicklung von Lächeln, Lachen und Sinn für Humor bei Kindern. Im vierten Kapitel werden verschiedene Theorien des Humors vorgestellt und diskuiert. Dabei gehen wir auch auf einige Überlegungen von Philosophen über das Wesen des Komischen ein. Im fünften Kapitel haben wir die Literatur über die Rolle des Humors in elf verschiedenen Therapieformen zusammengetragen. Weiterhin diskutieren wir die wenigen bisher vorliegenden empirischen Untersuchungen zum Humor in der Therapie. Das sechste Kapitel beschreibt die Anwendung des therapeutischen Humors in der Krankenpflege. Im siebten Kapitel befassen wir uns mit den Möglichkeiten eines humorbezogenen Vorgehens im Bereich der Gerontologie. Im achten Kapitel gehen wir kurz auf die Heilpädagogik ein. Im neunten Kapitel diskutieren wir die Bedeutung der Emotion Freude für die psychotherapeutische Arbeit. Das zehnte Kapitel beschreibt die Erfahrungen von Michael Titze und Erika Kunz in der therapeutischen Arbeit (bzw. im therapeutischen Spiel) mit Humorgruppen. Und sollte ein Leser oder eine Leserin nach dieser Lektüre immer noch Lust haben, den eigenen Sinn für Humor im Beruf und im Privatleben zu fördern, dann enthält das elfte Kapitel dazu einige Anregungen.

Die Behandlung körperlicher und psychischer Leiden gilt im allgemeinen als eine sehr ernsthafte Angelegenheit; trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) gibt es viele Witze über diese Themen. Die Idee, dass man nicht nur über die Behandlung psychischer und organischer Krankheiten lachen kann, sondern dass Humor und Lachen auch in der Therapie für den Prozess der Heilung förderlich sind, ist in den letzten zwanzig Jahren häufiger vertreten worden (vgl. Bernhardt 1985; Cousins 1981; Farrelly & Brandsma 1985; Höfner & Schachtner 1995; Moody 1979; Rubinstein 1985; Titze 1985, 1996; Fry & Salameh 1987, 1993).

Buchbesprechung, 07.08.1998
Therapeutischer Humor

Florian Felix Weyh
Witze über Pfarrer gibt es Millionen; Witze, die ein Pfarrer macht, bleiben konspirativ; im Gottesdienst hat man noch niemanden Pointen predigen hören. Nebst Pfarrern gibt es noch Beerdigungsunternehmer und Psychotherapeuten, die das gleiche Schicksal trifft: Als Zielscheiben des Spottes gehören sie ins Inventar jedes Humoristen - aber selbst? Hat man sie je grinsend neben Särgen oder der Patientencouch gesehen? Wenn jemand seinen Jokus macht, dann der Patient selbst. Im Film, bei Woody Allen. Wohl die Hälfte aller geistvollen Analytikerwitze stammt aus seiner Feder, und sie verpuffen - im Film - grundsätzlich an der Ernsthaftigkeit des Therapeuten. Nur im Film? Nein, vor allem auch im wahren Leben, wo der Volksmund zwar weiß, daß Lachen gesund sei, dies aber kaum in die Grüfte der Schulmedizin und Schulpsychologie vorgedrungen ist.

Damit soll nun Schluß sein; wie so üblich kommt der Anstoß aus Amerika, wo ehrenamtliche "Lachdoktoren" seit Jahren zum Personal der Kinderkliniken gehören und mit ihren "laugh wagons" - Gelächterwagen - auch die Stationen schwerkranker Erwachsener besuchen. Physiologisch ist nachgewiesen: Wer lacht, stärkt die Immunabwehr. Er erhöht den Gasaustausch der Lunge, befreit die Bronchen von Sekreten - zweimal gut gelacht, ersetzt ein Husten - und lindert entzündliche Prozeße. All dies Forschungsergebnisse der "Gelotologie", jener Wissenschaft, die Erich Kästner vor fünfzig Jahren noch scherzhaft als "Lachkunde" herbeisehnte. Nun gibt es sie also, und das Autorengespann Michael Titze und Christoph T. Eschenröder, beide Psychotherapeuten, haben die erste Monographie zum Thema vorgelegt. "Therapeutischer Humor" heißt ihr Band, auf dessen Cover ein etwas verkniffen lachender Sigmund Freud zu sehen ist. Als Illustration, versteht sich. Ein Freudsches Lachfoto wird sich wohl kaum in den Archiven der Psychoanalytischen Gesellschaft finden. Siehe Eingangsbemerkung: In Kirchen lacht man nicht.
Wie also halten es die verschiedenen Schulen mit dem Lachen? Sanktionieren sie es oder tolerieren und provozieren sie es, gehen gar kreativ im therapeutischen Prozeß damit um? Die Autoren untersuchen elf verbreitete Psychotherapieformen, von denen mittlerweile nur noch zwei von den Krankenkassen finanziert werden. Um es vorwegzunehmen: Wer lachend gesunden will, muß selbst dafür aufkommen; die Psychoanalyse und die Verhaltenstherapie, jene staatlich anerkannten Heilverfahren, tun sich aus unterschiedlichen Gründen mit dem Humor schwer. Doch schon in der Generation Freuds gab es einen Abweichler, der die Zweckmäßigkeit von Witzen für den Heilungsprozeß erkannte: Alfred Adler, der Begründer der Individualpsychologie. Er neigte dazu, Neurosen seiner Patienten dahingehend zu kommentieren, daß sie strukturell Scherzen glichen - und sie damit vom Patienten leichter genommen werden könnten, als sie es aktuell taten. Natürlich ist das noch kein Heilungsansatz, doch Adler führte als erster die sogenannte "konfrontative Technik" ein, dem Patienten nämlich in ironischer oder satirischer Brechung seine bisweilen bizarren Probleme vor Augen zu führen. Was den Humor im Alltagsleben auszeichnet, wirkt auch hier als Barrierebrecher: der Verblüffungseffekt der Pointe. Statt in Tränen auszubrechen oder sich noch tiefer in Depressionen zu flüchten, brachen die meisten der Patienten in schallendes Gelächter aus. Und hatten danach eine offenere Perspektive auf sich und ihre Probleme.
Auch Viktor Frankls "Logotherapie", fünfzig Jahre später aus dem selben Stamm gesprossen, setzt auf Konfrontation; Frankl nennt sie "paradoxe Intention". "Der Humor", schrieb er einst, "würde verdienen, ein Existential genannt zu werden. Nicht anders als die Sorge und die Liebe." Frankls Humor verlangt vom Therapeuten wie vom Patienten den "Mut zu Lächerlichkeit", die neurotischen Symptome sollen in der Ironie ihren Schrecken verlieren, wodurch das Urvertrauen zum Dasein zurückkehrt. Der Auschwitz-Überlebende Viktor Frankl gilt dabei als Kronzeuge für die Kraft des Humors, und so greifen die modernen bis modischen Therapieschulen auf seine "paradoxe Intention" zurück, wenn sie nicht mitfühlend leiden, sondern mitfühlend lachen wollen. Damit ist zugleich die Grenze markiert, denn Lachen kann auch enorm destruktiv wirken. Zwar besteht übereinstimmend die Meinung, daß Psychotherapeuten die Empfindlichkeit ihrer Patienten eher über-, und deren Möglichkeit, humorvoll zu reagieren eher unterschätzen, doch an einem schlechten Tag kann die Sache auch nach hinten losgehen. Sarkasmus und zynische Bemerkungen sind nicht heilsam; und wer nach dem gängigen Motto "Ratgeber ersparen Therapien" nun depressiven oder neurotisch gestörten Mitmenschen mit Witzen aufhelfen will, der kommt nicht viel weiter; es gehört ein entsprechendes Umfeld dazu. Michael Titzes und Christoph T. Eschenröders Buch ist eben kein Ratgeber, sondern ein komprimierter Überblick über den Stand der Forschung. Wen's interessiert, der ist mit der Lektüre gut beraten; ein paar Witze bekommt er obendrein. Aber ganz ehrlich: So richtig komisch sind sie nicht.
Reflexe (CH), Dezember 2006, S. 3

Therapeutischer Humor.
Von Mirjam Infanger-Christen


Die Wissenschaft hat sich in den letzten 20 Jahren verstärkt mit der »Heilkraft des Humors» beschäftigt. Das Autorenteam Titze und Eschenröder legt in seinem Buch Therapeuthischer Humor. Grundlagen und Anwendungen dar, wie das Phänomen Humor wissenschaftlich erklärt werden kann. Sie belegen, warum Lachen eine heilende Wirkung hat. Kompakt werden die jüngsten Erkenntnisse zum Therapeutischen Humor aus Theorie und Praxis dargestellt und dessen Anwendungsgebiete umrissen.

»Es ist gewiss nicht einfach, ein Buch zu schreiben, das darauf abzielt, sich ernsthaft mit der Thematik des Therapeutischen Humors zu befassen. Wir haben dabei versucht, einen Kompromiss zu finden. Sofern ein Teil unserer Leser meint, dieses Buch sei nicht seriös genug, und der andere Teil klagt, es sei zu trocken und zu humorlos, genügte uns dies als Beweis, dass ein solcher Kompromiss gelungen ist«, so die Autoren im Vorwort zu ihrem Buch. Soviel vorneweg: Meines Erachtens ist dieser Beweis auf meisterliche Weise erbracht worden.

Humor, Komik und Witz
Es ist kein Leichtes, einen Oberbegriff zu den Phänomenen Humor, Komik und Witz und den ausgelösten sichtbaren Reaktionen (Lachen und Lächeln) und Gefühlen (Heiterkeit und Belustigung) zu finden. Auch hier ist, der Einfachheit halber, ein Kompromiss gefragt. Titze/ Eschenröder wählenden Begriff Humor, den sie als »das Gesamtgeblet des Komischen und Lustigen« definieren. Sie folgen damit der Bedeutung, den das Wort Humor im Englischen hat.

Therapeutische Relevanz
Was seit langem bekannt ist, habe man sich erst in jüngster Vergangenheit systematisch in professionellen Kreisen zunutze gemacht, so die Autoren. Eine Erkenntnis von Harold Greenwald scheint hier allerdings für den erfolgreichen Einsatz dieses Therapieelements zentral: »Es ist schwierig, Humor effektiv zu nutzen, wenn wir den Menschen, mit dem wir arbeiten, nicht wirklich mögen.« Damit Humor niemals verletzend wirkt, sind vom Therapeuten Empathie und Kompetenz in Sachen Humor gefragt.
Die Autoren legen im Kapitel Physiologie von Lachen und Lächeln dar, welche körperliche Veränderungen Lachen und Lächeln bewirken. So werden die positiven Einflüsse auf eine richtige Atmung ebenso Hervorgehboben, wie die neurohormonalen Prozesse, die ausgelöst werden und unter anderem das Immunsystem stärken. Beschrieben werden ferner die Entwicklungspsychologie des Humors, die verschiedenen Theorien, welche das Wesen des Humors ergründen, sowie die Stellung des Humors in 11 verschiedenen therapeutischen Ansätzen. Wichtigster Pionier, der sich für die Anwendung des Therapeutischen Humors stark machte, ist Viktor E. Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse. Frankls Überzeugung: »Nichts lässt den Patienten von sich selbst so sehr distanzieren wie der Humor.« So hält Frankl den Patienten an, das, wovor er sich fürchtet, nachgerade herbeizuwünschen, denn: jede Angst habe ihren Gegenspieler, nämlich den Humor. Diese auf den ersten Blick widersinnige Methode bezeichnet Frankl als Paradoxe Intention, die auf einen existentiellen Einstellungswandel abzielt.

Humor in Medizin & Pflege
Nicht nur im (psycho)therapeutischen Bereich wird die Rolle des Humors thematisiert, sondern auch in der Medizin (Beitrag von Gerhard Kittel verfasst), in der Krankenpflege, in der Behandlung von alten Menschen, in der Heilpädagogik und in der pädiatrischen Zahnbehandlung. Im letzten Kapitel werden »Anregungen zur Förderung humorvoller Einstellungen und Verhaltensweisen« gegeben - eine Aufmunterung an jeden, der therapeutisch tätig ist, den Humor in sein Theraplekonzept zu integrieren. Das Autorenteam bietet in Therapeutischer Humor. Grundlagen und Anwendungen einen hervorragenden Überblick über die Anwendungsgeblete und Möglichkeiten des Therapeutischen Humors. Er ist leicht lesbar, und ein ausführliches Literaturverzeichnis, welches die Publikation beschliesst, verweist auf weiterführende Publikationen. Ein Buch, das Lust darauf macht, das Thema zu vertiefen.
Übrigens: Bei Titze / Eschenröder habe ich einen neuen Lieblingswitz gefunden: Sagt der eine zum andern: »Hast Du ein Bad genommen?« Worauf der andere antwortet: »Nein! Warum, fehlt eins?«. Gemäss Freud sagt die Art der Witze, die ein Mensch macht oder mag, viel über seine Persönlichkeit aus. Nun dann mal los, liebe Freudianer, was für ein Mensch bin ich?