Basler Zeitung, 07.10.1999
Humor als ein wertvolles Mittel in der Therapie
jme. Auf eine grosse Nachfrage - bis jetzt sollen sich 600 Leute angemeldet haben - stösst der vierte internationale Kongress in der Messe Basel vom 9. und 10. Oktober 1999 über »Humor in der Therapie«. Es geht um den Stellenwert von Freude, Trauer, Humor und menschlicher Zuwendung in der therapeutischen Beziehung.

Situationen entschärfen

Warum eigentlich war der junge griechische Arzt Dr. Sfiridis bei den Patientinnen und Patienten der Basler Höhenklinik so beliebt? Äusserte jemand persönliche Sorgen, so stoppte er sofort sein hektisches Tagesprogramm, um Zeit und Aufmerksamkeit zum Zuhören zu finden. Spannungsgeladene Situationen entschärfte er mit freundlichen Scherzen. Mit seinem gebrochenen Deutsch entzog er sich stets der Versuchung, sich als Autoritätsperson aufzuspielen.

Gefühle walten lassen

Was damals der junge griechische Doktor mit Spontanität realisierte, ist heute Gegenstand der »Gelotologie«, das heisst der »Lachforschung«. Es geht darum, dass in allen therapeutischen und pflegerischen Beziehungen spontane Gefühle ihren wichtigen Platz haben. Therapeuten, Pflegepersonen, Patienten, Patientinnen sollten lachen, aber auch weinen und Trauer bekunden können, erklärte hierzu an der Medienorientierung der Psychotherapeut Peter Hain, Präsident von HumorCare. Die Spontanität der Gefühle helfe mit, das Bündnis für die Bewältigung schwieriger Lebenslagen und für die Genesung zu stärken.

Besondere Beachtung verdiene der Umgang mit schwerkranken Menschen. Deren Not müsse ernst genommen werden. Doch sei es für sie zerstörerisch, wenn alle Besucher und Besucherinnen vor dem Eintreten in ihr Zimmer stets dieselbe Trauermiene aufsetzten. Wohlwollender Humor könne vor allem auch Stresssituationen entschärfen, folgerte Peter Hain. Der Stress gehört zu den besonderen Themen des Kongresses.

»Mediclowns«

Was in jede therapeutische Beziehung hineingehört, kann nach Darstellung von Max Deon, Vizepräsident der Internationalen Vereinigung für Individualpsychologie, im Spitalalltag seinen besonderen zusätzlichen Platz erhalten. Hierzu werden in Spitälern immer mehr »Medielowns« eingesetzt. Im Rahmen von Psychotherapien können in kritischen Phasen Gruppengespräche mit auflockerndem Humor eingefügt werden. Da geht es vor allem darum, die Scheu vor dem Besprechen von schambelegten Themen abzubauen. Am Kongress werden unter anderen auch »Globo«, mit zivilem Namen Alfred Gerhards, und der Basler Clown Pello auftreten.

600 Anmeldungen

Zum Kongress meldeten sich bisher 600 Personen an, berichtete Christine Kern, Kommunikationsleiterin des Kongresszentrums. Wie weiter Michael Titze, Psychotherapeut und wissenschaftlicher Koordinator des Kongresses, ausführte, werden Fachleute aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Niederlande, Italien, USA und Kanada teilnehmen. Zu ihnen gehören der Gründer der Klinikclown-Bewegung Michael Christensen, Rod Martin, Forscher auf dem Gebiet »Humor und Stress«, die Humor-Wissenschafter William F. Fry und Paul McGhee, Rolf Hirsch, Geriatrie-Chefarzt, aus Basel der Psychiatrieprofessor und frühere langjährige Leiter der Psychiatrischen Poliklinik Raymond Battegay.

Am Samstag ist im Saal Mexiko von 9 bis 18 Uhr der öffentliche Kindertag mit Zauberkünstler Markus Zink, der Beraterin Heidi Müller, der Clownfrau Blombiene, der Musikpädagogin Erika Kunz. Am Samstagabend ab 20 Uhr tritt im Saal Montreal der österreichische Psychologe und Kabarettist Bernhard Ludwig mit dem »Seminarkabarett« auf.